Überliquidität & Unterliquidität
In einem unternehmerischen Kontext bedeutet liquide zu sein im Wesentlichen die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Aber was passiert, wenn ein Unternehmen dafür zu wenig liquide Mittel hat? Und ist es sinnvoll, wenn immer wesentlich mehr liquide Mittel verfügbar sind, als eigentlich benötigt werden? Wir klären auf!
Was ist Überliquidität?
Man spricht von Überliquidität, wenn ein Unternehmen über mehr liquide Mittel verfügt, als es für seine täglichen Geschäftsaktivitäten bzw. zur Erfüllung seiner kurzfristigen Verbindlichkeiten benötigt. Mit anderen Worten: die Liquidität ist zu hoch bzw. das Unternehmen besitzt zu viel Überschussliquidität.
Auf den ersten Blick mag diese Situation wie ein Luxusproblem oder sogar ein erstrebenswerter Zustand erscheinen. Doch in der Praxis ist Überliquidität nicht sinnvoll, sofern diese nicht nur kurzfristig oder vorübergehend, sondern auf Dauer vorliegt. Denn: In der Folge bringen ungenutzte finanzielle Mittel oft niedrige oder gar keine Renditen, was insbesondere Anteilseigner stets als ungewünschten Zustand einstufen. Es liegt daher ein Problem der Rentabilität vor (→ Liquidität immer vor Rentabilität?). Daher muss das Management Wege finden, um dieses Kapital produktiv einzusetzen.
Maßnahmen gegen Überliquidität:
Hier eine Auswahl der wichtigsten Gegenmaßnahmen:
- Vorzeitige Rückzahlung von Krediten, um Fremdkapitalkosten zu senken
- Geldanlage am Kapitalmarkt, um Zusatzerträge über Zinsgewinne zu realisieren
- Investitionen in Maßnahmen in Unternehmenswachstum, um für bessere Ertragsaussichten in der Zukunft zu sorgen
- Akquisitionen von anderen Unternehmen (Marktbegleiter oder Wettbewerber)
- Rückführung von Kapital an Eigentümer/Aktionäre
Was ist Unterliquidität?
Unterliquidität bezeichnet eine finanzielle Situation, bei der ein Unternehmen nicht in der Lage ist, seinen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen bzw. notwendige, kurzfristige Investitionen zu tätigen. In der Folge drohen u.a.:
- Einschränkungen im operativen Geschäft
- eine Bonitätsabwertung des Unternehmens, was insbesondere die Aufnahme von neuen Krediten erschwert
- ein Reputationsverlust sowie
- im schlimmsten Fall eine akute Insolvenzgefahr.
Aktuelle Liquiditätssituation deutscher Unternehmen: Warum Liquiditätsplanung wichtiger wird (Stand Mai 2026)
Die Liquiditätssituation deutscher Unternehmen bleibt weiter angespannt und zeigt, dass eine vorausschauende Liquiditätsplanung extrem wichtig ist.
Zur Kapitalausstattung: Zwar verfügen viele deutsche Mittelständler weiterhin über solide Eigenkapitalpolster: Laut Creditreform (Frühjahr 2026) gelten 36,0 Prozent der Unternehmen als eigenkapitalstark. Gleichzeitig ist diese Entwicklung nicht allein Ausdruck hoher Gewinne, sondern hängt auch mit zurückhaltenden Investitionen und geringerer Kreditaufnahme zusammen.
Was hinzu kommt: Der Zugang zu Bankkrediten bleibt für viele Unternehmen schwierig. Nach der sogenannten KfW-ifo-Kredithürde (1. Quartal 2026) bewerteten rund 34 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen das Verhalten der Banken in Kreditverhandlungen als restriktiv. Gleichzeitig bleibt das Kreditinteresse schwach, was auf eine weiterhin verhaltene Investitionstätigkeit hindeutet.
Zum Zahlungsverhalten deutscher Unternehmen: Das direkteste Liquiditätssignal hat sich deutlich verschlechtert. Zahlungen werden später geleistet. Den stärksten Hinweise liefert CRIF in Bezug auf die Situation Stand März 2026: Der breite Unternehmensbestand wirkt teils zahlungsdisziplinierter, während die finanzschwachen Unternehmen ihre Zahlungen massiv strecken. Unternehmen, die verspätet oder gar nicht zahlen, zahlten im März 2026 im Schnitt 31,6 Tage nach Fälligkeit; im Februar waren es 20,1 Tage, im Q1 2025 24,2 Tage. Bei durchschnittlich 26 Tagen Zahlungsziel entsteht so faktisch eine Zahlung nach rund 58 Tagen. Für mehr Infos gelangen Sie hier zu unserem Artikel: “Endgegner Zahlungsmoral: So leiden deutsche Unternehmen”
Auch das Insolvenzgeschehen zeigt den Druck auf die Unternehmensliquidität. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert – 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Januar 2026 lagen die Unternehmensinsolvenzen erneut 4,9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Tipp: Erhalten Sie hier weiterführende Infos, wie Sie sich bei Insolvenzen bei Kunden oder Lieferenten am besten verhalten.
Maßnahmen gegen Unterliquidität:
Um hier effektiv gegenzusteuern, sollten Sie keine Zeit verlieren und eine oder mehrere der folgenden Maßnahmen zeitnah angehen:
- Vereinbaren Sie längere Zahlungsziele oder eine Teilzahlung bzw. Abschlagszahlung mit Lieferanten oder Dienstleistern
- Sprechen Sie mit Ihrer Hausbank über zusätzliche Darlehen oder eine Erweiterung der Kontokorrentlinie (Letztere sollte stets nur vorübergehend in Anspruch genommen werden)
- Stehen Ihnen staatliche Förderungen oder Unterstützungen zu? Beantragen Sie diese so schnell es geht.
- Prüfen und hinterfragen Sie alle aktuellen Ausgaben und kündigen Sie alle nicht zwingend notwendigen oder nicht rentablen Posten.
- Sale-and-lease-back: Bei diesem Verfahren verkaufen Sie einen Vermögensgegenstand Ihrer Firma an einen Leasingpartner und leasen diesen zur Nutzung wieder zurück. Es handelt sich um ein simples und effizientes Mittel, um besonders schnell und unkompliziert gebundenes Kapital im Anlagevermögen in flüssige Mittel zu verwandeln, ohne die Nutzung einschränken zu müssen. Mehr erfahren zu Sale-and-Lease-back
- Liquidität dauerhaft erhöhen mit Factoring: Verkaufen Sie Ihre offenen Forderungen an einen professionellen Factoring-Anbieter und erhalten Sie Ihr Geld für gestellte Rechnungen sofort. So machen Sie sich unabhängig vom Zahlungsverhalten Ihrer Kunden. Auch sind Sie gegen Forderungsausfälle geschützt.
Mehr erfahren zu Factoring
- Betreiben Sie ein professionelles Forderungsmanagement inkl. effektivem Mahnwesen.
- Wenn Investitionen unvermeidbar sind, nutzen Sie Leasing, um liquiditätsschonend zu investieren. Hier zahlen Sie nur geringe monatliche Raten anstatt hoher Kaufsummen und können diese Raten in der Regel auch steuerlich als Betriebsausgabe geltend machen.
Mehr erfahren über Leasing
- Betreiben Sie eine professionelle Liquiditätsplanung, um Unterliquidität zukünftig zu vermeiden (ein Ergebnis daraus könnte z.B. sein, dass Sie höhere Liquiditätsreserven bzw. Geldreserven vorhalten sollten). Dabei müssen relevante Liquiditätskennzahlen definiert, fortlaufend beobachtet und regelmäßig überprüft werden.
Wie sieht die optimale Liquidität für ein Unternehmen aus?
Die Kunst besteht darin, die flüssigen Mittel bedarfsgerecht auszutarieren, sodass weder Unterliquidität noch Überliquidität vorliegt. Sie sind in der Lage, heute und in Zukunft alle laufenden Kosten wie Löhne, Energieversorgung, Versicherungen, Fuhrpark, etc. zu bezahlen? Glückwunsch! Ihr Unternehmen gilt als solvent. Ihnen bleibt nach Zahlung aller Forderungen ein Gewinn? Dann wirtschaftet Ihr Unternehmen rentabel.
Mit einer effektiven Liquiditätsplanung und den richtigen Finanzierungsinstrumenten kann die Liquidität in Balance gehalten werden. Leasing und Factoring z.B. sichern das Eigenkapital und ermöglichen Investitionen zum richtigen Zeitpunkt.
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