Neue Steuerpläne: Hilfen für den Mittelstand?

Auf dem letzten Meter seiner Amtszeit und noch vor dem kommenden Wahlkampf scheint Olaf Scholz für die SPD ungewöhnliche Wählergruppen mit interessanten Hilfestellungen milde stimmen zu wollen: Unternehmen und Selbstständige. Neben einer Verdoppelung des steuerlichen Verlustrücktrags ist auch ein Gesetzesentwurf zur Modernisierung der Körperschaftssteuer am 24.03. beschlossen worden. Gerade Letzteres soll Familienunternehmen im internationalen Wettbewerb stärken. Hier die Details!

Wettbewerbsvorteile durch neue Körperschaftssteuer?

Die Modernisierung des Körperschaftssteuerrechts soll es Personengesellschaften ermöglichen, wie eine Kapitalgesellschaft besteuert zu werden. „Die Option zur Körperschaftsteuer stellt einen weiteren wichtigen Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der vielen auf internationalen Märkten erfolgreich tätigen Familienunternehmen in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft oder einer offenen Handelsgesellschaft dar“, schreibt Steuerabteilungsleiter Rolf Möhlenbrock hierzu an die Fraktionen des Bundestags. Bisher werden Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften unterschiedlich besteuert, da Kapitalgesellschaften unter die Körperschaftssteuer fallen und mit fixen 15% veranschlagt werden. Hinzu kommen noch der Solidaritätszuschlag und die Gewerbesteuer, sodass eine Aktiengesellschaft auf rund 31 Prozent Steuerlast kommt. Personengesellschaften fallen hingegen unter die Einkommensteuer, die bis zu 45% betragen kann. Die steuerlichen Regelungen, mit denen Personengesellschaften bisher ihre Steuerlast an die von Kapitalgesellschaften anpassen könnten, sind hingegen so kompliziert, dass sie jetzt reformiert werden sollen. Da rund 85% der deutschen Unternehmen Personengesellschaften darstellen, würde dieser Vorteil einen Großteil der deutschen Wirtschaft stärken.

Thesaurierung wird nicht reformiert

Laut F.A.Z. gibt es allerdings auch Stimmen, die eher Fortschritte bei der sogenannten Thesaurierung als Stärkung der Wirtschaft befürworten würden. Hierbei handelt es sich um Vorgänge, bei denen erwirtschafteten Gewinne nicht ausgegeben oder ausgeschüttet werden, sondern in der Organisation selbst verbleiben. Gewinne, die man als Thesaurierungsrücklage parkt, werden mit 28,25 Prozent belastet ­– plus einer Nachversteuerung, wenn später das Geld an die Eigentümer fließt. Dies wird aber kaum genutzt, weil es mit Fallstricken verbunden ist. Gerade hier sieht Unionsfraktionsvize Andreas Jung gegenüber der F.A.Z. einen besseren Hebel gegen die Schlechterstellung von Familienbetrieben. Er argumentiert, dass in den Betrieb reinvestierte Gewinne die Perspektiven von Arbeiten und die Wertschöpfung vor Ort stärken würden, sodass Fortschritte bei der Thesaurierung wertvoller wären als ein Wahlrecht zur Körperschaftssteuer.

Verdoppelter Verlustrücktrag – nur für ein Jahr

Bereits durch das dritte Corona-Paket beschlossen ist eine Hilfsmaßnahme, die eine Verdopplung des steuerlichen Verlustrücktrags für die Jahre 2020 und 2021 auf 10 Millionen Euro vorsieht. Für Unternehmer und Selbstständige, die verheiratet sind und gemeinsam veranlagt werden, beträgt die Höchstgrenze damit 20 Millionen Euro. Auch wenn hier ein zartes Werkzeug geschaffen wird, um Verluste steuerlich aufzufangen, geht dies laut Experten unter anderem von der CSU noch nicht weit genug, denn der aktuell geltende Zeitraum von einem Jahr wird beibehalten. Hilfreicher wäre es hier, den Zeitraum für den steuerlichen Verlustrücktrag von derzeit einem Jahr auf drei Jahre zu verlängern. Damit könnten Verluste aus 2020 bis ins Jahr 2017, Verluste aus 2021 bis 2018 mit Gewinnen verrechnet werden. Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe, die von der Pandemie stark betroffen sind, könnten dadurch bereits gezahlte Steuern zurückerhalten und somit ihre Liquidität stärken.

Außensteuergesetz ist auf dem Weg

Ebenfalls als Entlastung geplant ist das sogenannte Außensteuergesetz, das unter anderem die Besteuerung ausländischer Tochtergesellschaften regeln soll. Hintergrund: Deutsche Unternehmen müssen bisher im Ausland erzielte Gewinne in Deutschland nachversteuern, wenn sie dort mit weniger als 25% belastet wurden. Selbstredend ist dies ein erheblicher Wettbewerbsnachteil, sodass hier zunächst eine Absenkung auf 15% in Aussicht gestellt wurde. Leider ist aus diesem guten Ansinnen nun vor allem eine EU-Richtlinie zum Kampf gegen Steuervermeidung geworden. Allerdings heißt es aus Regierungskreisen, dass die Ressortabstimmung noch laufe, berichtet das Handelsblatt. Der Kampf ist also noch nicht ausgefochten.

Fazit: viele gute Ansinnen – aber noch zu wenig konkrete Ansatzpunkte. Es bleibt zu hoffen, dass im Verlauf des Wahljahres vielleicht doch noch das eine oder andere sinnvolle Gesetz verabschiedet wird, um dem deutschen Mittelstand unnötige Lasten zu nehmen.

Wer so lange nicht warten möchte, sollte seine kommenden Investitionen mit Leasing planen und so von den handfesten steuerlichen Vorzügen dieser Finanzierungsform profitieren. Neue IT, neue Pkw-Flotte oder neue Maschinen – alles ist möglich. Mit abcfinance.