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Branchen-Insight: Wie Mymoria traditionelle Bestatter angreift

Lesezeit: 4 Min

Wenn es eine Branche gibt, die unempfindlich gegen Außeneinflüsse und sogar wirtschaftliche Schwankungen ist, dann sind es die Bestatter. Auch die Digitalisierung hält hier nur langsam Einzug, da im Trauerfall schlicht und einfach zum Telefon gegriffen wird. Ein Berliner Start-up mischt die Branche allerdings seit 2015 ordentlich auf und bringt damit auch interessante Neuerungen ins Spiel. Ein Bericht aus der Perspektive eines Branchen-Beobachters:

 

Update Oktober 2026: Seit Erscheinen dieses Beitrags ist Mymoria deutlich gewachsen. Den aktuellen Stand haben wir im Abschnitt „Kleinstbetriebe vs. Start-up“ ergänzt.

Kleinstbetriebe vs. Start-up mit Millionenfinanzierung – wie tickt die Branche?

Wie krisensicher die Bestattungsbranche ist, zeigte die Corona-Pandemie, die zeitweise nur Trauerfeiern im kleinen Kreis zuließ. Doch kaum einer der knapp 5.700 deutschen Betriebe musste die bereitgestellten Corona-Hilfen in Anspruch nehmen. In genau diese zersplitterte Branche mit selten mehr als 10 Mitarbeitern pro Betrieb drängt Mymoria, das allein ab Juli 2021 20 Bestattungsfilialen samt dem angestammten Personal übernahm.

Der Weg zum Branchenprimus wird dabei argwöhnisch beäugt – schließlich kommen selbst größere Ketten kaum auf Marktanteile von mehr als 5 Prozent. Das notwendige Kleingeld für derartige Investitionen kommt im Übrigen von Investoren. 2021 konnte Mymoria satte 15 Millionen Euro einsammeln und damit die bundesweite Expansion anfeuern: Abseits vom Online-Geschäft eröffnete das Start-up damals auch einen „Flagship-Store“ in der Kölner Innenstadt – und kündigte weitere Filialen in ganz Deutschland an.

Der Stand 2026: Aus diesen Plänen ist ein bundesweites Netz geworden. Mymoria betreibt heute rund 50 Standorte in Deutschland. Dazu gehören sechs Bestattungsboutiquen in Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Nürnberg mit offenen Räumen, kuratierten Produkten und privaten Beratungsbereichen. Hinzu kommen gut 40 weitere Niederlassungen in kleineren Orten, die als klassische Bestattungshäuser mit regionaler Erfahrung arbeiten. Gesteuert wird das Ganze vom Berliner Hauptsitz aus. Ergänzt wird es durch eine bundesweite Online-Plattform und eine telefonische Beratung, die rund um die Uhr erreichbar ist. Damit kombiniert Mymoria die Stärke, die wir den Traditionsbetrieben zuschreiben, mit der eigenen Reichweite: regionale Verwurzelung.

Moderne Angebote locken neue Kunden

Mit dem neuartigen On- und Offline-Angebot setzt Mymoria ganz klar auf eine neue Kundenschicht – davon kann und sollte die Branche lernen, um eine neue Generation von Kunden dauerhaft binden zu können. Die Methoden und die Sprache sind dabei Start-up-typisch, erfüllen aber ihren Zweck: Wenn man bei Mymoria von „Customer Journey“ spricht, wird das den einen oder anderen alteingesessen Bestatter vielleicht abschrecken – aber das Ergebnis zählt. Mehrere tausend Kunden haben so ihre Bestattungen bereits online und über die telefonische Beratung geplant.

Das Start-up bietet Begräbnisse für jeden Geldbeutel und jede Anforderung: Auch muslimische, jüdische, buddhistische oder die sogenannte Diamantbestattung sind im Angebot. Bei Letzterem wird die Asche des Verstorbenen im Anschluss an die Feuerbestattung zu einem synthetischen Diamanten veredelt. Kurzum: Für jeden ist etwas dabei. Gerade im Zuge der anhaltenden Kirchenaustritte kann man damit sicherlich die Bedürfnisse von Menschen realisieren, die nicht im traditionellen Gemeindeverbund zu Hause sind. Das Geheimnis liegt dabei nicht in digitalen Wundertechnologien, sondern in der Offenheit für die Bedürfnisse des Kunden.

Auf die eigene Stärke setzen – und digitale Wege öffnen

Während die traditionellen Bestatter davon profitieren, dass Ruf und die Dienstleistung sich regional herumsprechen, skaliert Mymoria dies hoch: mit einem TÜV-Siegel für Bestnoten bei der Kundenzufriedenheit. So waren rund 96 Prozent der Kunden mit dem Service von Mymoria zufrieden und vergaben bei der Frage nach ihrer Gesamtzufriedenheit die Note „sehr gut“ oder „gut“. Das mag nach enormen Aufwand klingen, lässt sich aber ebenso für traditionelle Betriebe realisieren, die Mymoria mit den eigenen Waffen schlagen können und den Vorteil der Regionalität haben.

Mit einer modernen Website und dem entsprechenden Angebot für neuartige und unkonventionelle Bestattungen muss der überregionale Anbieter keine Bedrohung sein. Im Gegenteil: Wenn das Angebot des Konkurrenten Anklang beim Kunden findet, ist dies eher ein Indiz dafür, wie sich Kundenbedürfnisse verändert haben und was mögliche Lösungen sind. Die Stärken der Bestatter-Branche liegen seit jeher in einer tiefen regionalen Verwurzelung und der Nähe zu Familien und Verstorbenen. Kombiniert man dies mit zeitgemäßer IT und einem frischen Auftritt, dürfte gerade der traditionelle Bestatter vor Ort eine große Zukunft haben.

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