Harter Brexit: Hart für den Mittelstand?

Nur noch wenige Wochen, dann passiert aller Voraussicht genau das, was einst undenkbar schien: Großbritannien verlässt die EU. Zu welchen Konditionen dies geschehen wird, ist zurzeit leider noch unklar – selbst ein harter Brexit ohne die notwendigen Nachfolgeregelungen ist wahrscheinlich. Leider führen genau diese unklaren Rahmenbedingungen im deutschen Mittelstand zu einer mangelnden Vorbereitung, wie verschiedene Banken jetzt feststellen. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen könnten gefährliche Engpässe die Folge sein.

Während Finanzaufsicht und Banken entsprechende Maßnahmen getroffen haben, um sich auf die bevorstehenden Szenarien vorzubereiten, sollten auch Unternehmen spätestens jetzt wach werden.

Abwarten und Tee trinken ist gefährlich

Die abwartende Haltung des Mittelstands ist dabei nachvollziehbar. Bei den kleineren und größeren Beben der Tagespolitik, kann man gerade in Zeiten eines Donald Trump nicht auf jeden Zug aufspringen. Das mag auch der Grund sein, warum viele Unternehmen die Brexit-Schreiben ihrer Bank erstmal zur Seite gelegt haben – schließlich wird nichts so heiß gegessen, wie es in Brüssel gekocht wird. Gerade in Gedenken an den letztjährigen Rummel um die DSGVO und die angeblich kommenden Verwerfungen kann man diese Haltung gut verstehen. In einem gefühlt überregulierten Wirtschaftsraum wie der EU kann man sich den Zusammenbruch von gesunden Beziehungen nur sehr zaghaft vorstellen – Brexit hin oder her. Einzig die Unternehmen, die sich seinerzeit auch in Deutschland als Limited gründeten, um der Haftungsfrage ein Schnippchen zu schlagen und die teure Einlage einer GmbH zu umgehen, waren in den vergangenen Monaten zu Recht beunruhigt: Hier wartet auf jeden Fall ein bürokratisches Ungetüm auf seine Bewältigung.

Erhebliche Verzögerungen drohen

Viele Finanzdienstleister sind dennoch sehr besorgt um die Zögerlichkeit einiger Unternehmens-Kunden: So muss noch eine Vielzahl von Verträgen angepasst werden, um auch im Falle eines harten Brexits weiter wirtschaften zu können – insbesondere im Bereich der Kredit- oder Konsortialverträge mit Geschäftspartnern im Vereinten Königreich. Dabei können zwar aufgrund von Übergangsgesetzen viele bestehende Verträge auch nach dem Brexit noch 21 Monate lang fortgesetzt werden, wie das Handelsblatt berichtet. Die zahlreichen Erleichterungen im Geschäftsverkehr des EU-Binnenmarkt fallen aber im Falle keiner Einigung von jetzt auf gleich weg. Das Verhältnis zwischen Großbritannien und den verbliebenen 27 EU-Staaten wäre demnach vergleichbar mit der Beziehung zu Kanada. Oder Angola. Das heißt auch, dass sich Warenlieferungen und die damit verbundene Zahlungen erheblich verzögern könnten. Wer das nicht aussitzen oder überbrücken kann, hat ein Problem.

Unternehmen sind also aufgerufen, ihre Geschäftsbeziehungen nach Risiken im Hinblick auf ihre Liquidität zu untersuchen. Unsere Experten helfen gerne bei der Liquiditätsplanung.

Schreibe einen Kommentar