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Workslop: Wenn KI mehr Arbeit schafft, als sie abnimmt

Lesezeit: 3 Min

Eine Präsentation mit 30 Folien erstellen? Eine umfangreiche Recherche zusammenfassen? Zehn Ideen für die nächste Kampagne entwickeln? Was früher Stunden dauerte, erledigt generative KI heute oft in wenigen Minuten.

Das klingt nach einem klaren Produktivitätsgewinn. Doch mit der Menge an erzeugten Inhalten wächst nicht automatisch ihr Nutzen. KI macht es so einfach wie nie, mehr zu produzieren, als für eine Aufgabe tatsächlich gebraucht wird. Für dieses Phänomen gibt es inzwischen auch im beruflichen Kontext einen Begriff: Workslop. 

Wenn professioneller Output wenig weiterhilft

„AI Slop“ bezeichnet ursprünglich die wachsende Menge minderwertiger KI-Inhalte im Internet. Als „Workslop“ wird ein ähnliches Phänomen im Arbeitsalltag beschrieben: KI-generierte Inhalte, die auf den ersten Blick brauchbar wirken, eine Aufgabe aber nicht wirklich voranbringen. Untersuchungen zeigen, dass solche Arbeitsergebnisse in Unternehmen längst keine Seltenheit mehr sind.  

Workslop muss dabei nicht einmal falsch sein. Anders als bei einer KI-Halluzination können die Informationen sachlich korrekt sein. Das Ergebnis hilft trotzdem wenig, wenn es zu allgemein, zu umfangreich oder nicht auf die konkrete Aufgabe zugeschnitten ist.

Eine Zusammenfassung ohne Prioritäten kann Workslop sein, etwa wenn eine KI aus einem langen Teams-Verlauf zwar alle Punkte zusammenfasst, aber nicht deutlich macht, was entschieden wurde oder wer etwas tun muss, oder schlicht etwas nicht korrekt verstanden hat. Ebenso eine Präsentation voller allgemeiner Aussagen oder eine umfangreiche Recherche ohne Einordnung. Eine fünfseitige Marktanalyse mag vollkommen korrekt sein und trotzdem die entscheidende Frage offenlassen: Was folgt daraus für unser Unternehmen? „KI kann uns sehr schnell sehr viel liefern. Entscheidend ist, aus diesem Output etwas zu machen, das uns in der täglichen Arbeit wirklich weiterbringt.“Stefan Thür, Leiter des Innovation Hubs bei abcfinance

Zehn gute Optionen sind noch keine Entscheidung

Besonders deutlich wird das bei Entscheidungsvorlagen. KI kann innerhalb von Sekunden Ideen entwickeln, Strategien gegenüberstellen oder Argumente zusammentragen. Das hilft, Möglichkeiten zu entdecken. Doch zehn attraktiv aufbereitete Optionen sind noch keine gute Entscheidungsvorlage.

Gute Wissensarbeit besteht häufig gerade darin, Informationen zu reduzieren: Was ist relevant? Was kann verworfen werden? Wo liegen die entscheidenden Unterschiede? Und vor allem: Was empfehle ich?

KI kann den Lösungsraum schnell vergrößern. Der Mehrwert entsteht, wenn jemand anschließend auswählt, bewertet und eine begründete Empfehlung entwickelt. Studien zur KI-Nutzung im Arbeitsalltag zeigen auf: Persönlich empfundene Produktivitätsgewinne schlagen sich nicht automatisch in besseren Ergebnissen für das gesamte Unternehmen nieder.  

KI darf erweitern – der Mensch muss reduzieren

Workslop zu vermeiden bedeutet nicht, weniger mit KI zu arbeiten. Gerade für Recherche oder Wettbewerbsbeobachtung kann KI viel Arbeit abnehmen: Sie kann große Informationsmengen durchsuchen, zusammentragen und vorsortieren. Entscheidend ist, dieses Rohmaterial nicht mit einem fertigen Arbeitsergebnis zu verwechseln. Wer sich verschiedene Lösungswege generieren lässt, sollte ungeeignete Optionen aussortieren.

Vor dem Weitergeben helfen einige einfache Fragen:

  • Was braucht der Empfänger tatsächlich?
  • Was ist die Kernaussage?
  • Was kann ich weglassen?
  • Was empfehle ich – und warum?
  • Kann ich das Ergebnis selbst vertreten?

Denn auch wenn KI recherchiert, formuliert und strukturiert, bleibt die Verantwortung für das Ergebnis beim Ersteller. Besonders wichtig ist das bei Fachthemen wie z.B. dem Datenschutz. Wer selbst nicht über die nötige Expertise verfügt, kann nur schwer beurteilen, ob eine plausibel klingende KI-Einschätzung tatsächlich belastbar ist. 

Fazit: Aufmerksamkeit wird zum knappen Gut

Je einfacher KI die Produktion von Informationen macht, desto wichtiger wird die Fähigkeit, sie zu begrenzen. Gute KI-gestützte Wissensarbeit zeigt sich deshalb nicht daran, möglichst viel zu produzieren – sondern daran, das Relevante auszuwählen, einzuordnen und auf den Punkt zu bringen. 

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