das abc-magazin
WIE UNTERNEHMEN WACHSEN & WAS UNTERNEHMER INTERESSIERT
xingLinkedIn

Insolvenz beim Kunden oder Lieferanten: Was muss ich wissen?

Lesezeit: 14 Min

Insolvenzverfahren jagt Insolvenzverfahren und der Druck auf den Mittelstand wird immer höher - so lässt sich die Situation in den vergangenen Monaten zusammenfassen. Die immensen Energiekosten aufgrund des Ukraine-Kriegs verursachen mittlerweile ernste Schäden und erste prominente Opfer. Allerdings bleiben viele bedrohte oder schon betroffene Unternehmen sowie deren Insolvenz nur regionale Schlagzeilen. Daher stellt sich für viele Unternehmen und Gläubiger mit wackeligen Schuldnern die Frage, wie man mit den Themen „Insolvenzen bei Partnern“ und Zahlungsunfähigkeit umgeht. Hier ein Überblick.

Steigende Zahlungsausfälle - steigende Schäden

Wie erst jüngst der Leiter Wirtschaftsforschung von Creditreform, Patrik-Ludwig Hantzsch, gegenüber der FAZ erläuterte, ist das dicke Ende der aktuellen Krisenlage noch längst nicht erreicht. Demnach müssten sich Unternehmen und Banken auf deutlich steigende Zahlungsausfälle einstellen. Dies deckt sich mit den Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis), wonach die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bereits seit August 2022 kontinuierlich zunimmt. Allein im Juli 2023 stieg die Zahl der Regelinsolvenzen um 23,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Wichtig zu wissen: Diese Insolvenzstatistik bildet nur Geschäftsaufgaben im Zuge eines Insolvenzverfahrens ab - nicht jedoch solche aus anderen Gründen beziehungsweise vor Eintritt akuter Zahlungsschwierigkeiten. Man darf also davon ausgehen, dass das Klima in der deutschen Wirtschaft noch wesentlich rauer im Herbst und Winter werden wird.

Vorab: Was bedeutet insolvent?

Der Begriff „insolvent“ bedeutet, dass ein Unternehmen nicht in der Lage ist, seinen finanziellen Verpflichtungen (in Form von Schulden bzw. Verbindlichkeiten) vollständig oder in Teilen nachzukommen. Kurz gesagt: Das Unternehmen ist zahlungsunfähig. In Deutschland ist das Ganze – wie in vielen anderen Ländern auch - gesetzlich verankert. Regelungen hierzu finden sich primär in der Insolvenzordnung (InsO). Man unterscheidet grundsätzlich folgende 3 Ursachen für eine Insolvenz:

  1. Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO)
  2. Drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO)
  3. Überschuldung (§ 19 InsO)

Ein Unternehmen, das eine Insolvenz feststellt oder feststellt, dass eine Insolvenz droht, muss unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb einer festgelegten Frist, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Andernfalls können sich die Geschäftsführer strafbar machen.

Maßnahmen gegen Zahlungsausfälle

Auch gesunde Unternehmen können durch Zahlungsausfälle oder Insolvenzen im Kunden- und Lieferantenkreis in gefährliche Fahrwasser geraten. Besonders risikoreich ist in Krisenzeiten dabei das Neugeschäft: Unternehmen, bei denen die Beziehungen noch nicht tief genug sind, um Warnsignale wahrnehmen zu können, sind hier ein erheblicher Risikofaktor. Aber auch alt bekannte sowie eigentlich solvente Kunden und Lieferanten können mit rapide steigenden Energiekosten oder auch unbekannten Altlasten aus der Corona-Zeit schnell zum Problem werden. Wenn dann längst fällige und sehnlichst erwartete Forderungen über Gebühr verlängert werden oder gar ausfallen, ist guter Rat teuer. Sogar sehr teuer mitunter. Aber: Ein solides  und erprobtes Finanzwerkzeug gegen Ausfälle dieser Art ist der Factoring-Vertrag mit einem verlässlichen Mittelstands-Partner. Denn: Neben der Vorfinanzierung der Forderungen und der damit verbundenen unmittelbaren Liquidität ist der Ausfallschutz der wichtigste Vorteil beim Factoring. Unternehmen sind somit gleich doppelt gefeit gegen die aktuelle Pleitewelle.

Zusammenfassend bieten sich neben der gründlichen Prüfung und Auswahl des Kunden vorbeugend folgende Sicherheitsinstrumente an:

Kunde ist insolvent?

Bei einer drohenden Insolvenz sollte ein Unternehmen als Gläubiger grundsätzlich zwischen zwei Fällen unterscheiden: Der Schuldner ist Kunde oder er ist Lieferant. Bei der Insolvenz eines Kunden bedeutet dies mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ausfall der Forderung. Also weniger Geld in der Kasse. Bei einer Risikostreuung von maximal 10 Prozent Umsatz mit einem einzelnen Kunden sollte dieser Ausfall von einem gesunden Unternehmen grundsätzlich einkalkuliert und abgesichert sein. Zumindest laut Lehrbuch.

Lieferant ist insolvent?

Komplexer und gefährlicher ist allerdings zumeist die Insolvenz eines Lieferanten. Dies kann im Ernstfall das eigene Unternehmen in die Insolvenz treiben, wenn dadurch die Produktion ins Stocken gerät. Dies war auch der Fall, als beim ersten Lockdown unter anderem internationale Lieferungen ausfielen und damit die Supply Chain vieler Unternehmen durcheinanderbrachte. Handlungsempfehlung hier: Immer einen alternativen Zulieferer in der Hinterhand haben. Sucht man diesen erst nach dem Insolvenzantrag oder wenn der Lieferant zahlungsunfähig ist, dürfte es meist zu spät sein. Da aber in der aktuell angespannten Lage auch die Insolvenz eines Schlüsselkunden bedrohlich sein kann, sollte man als Gläubiger die Warnsignale kennen.

Wo kann man Insolvenzen einsehen?

Während in früheren Zeiten auch in Tageszeitungen über Insolvenzen informiert wurde, reicht dem Gesetzgeber heutzutage das Internet. Wenn Sie also den Verdacht haben, dass aufgrund eines Insolvenzantrages über das Vermögen eines Kunden die vorläufige Verwaltung angeordnet und damit auch ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt wurde, hilft ein Klick auf folgenden Link: www.insolvenzbekanntmachungen.de

Auf dieser Seite werden von allen Insolvenzgerichten der Bundesrepublik Deutschland die notwendigen Bekanntmachungen vorgenommen, sobald ein Insolvenzverfahren bei Gericht beantragt wurde.

Welche Warnsignale für drohende Insolvenzverfahren gibt es?

Sie haben den Verdacht, dass einer Ihrer Kunden oder Lieferanten in finanziellen Schwierigkeiten steckt oder ein Insolvenzverfahren droht? Hier eine Checkliste, ob es erste Anzeichen einer Insolvenz gibt. Dabei macht die Anhäufung von Symptomen das Drama: Je öfter sie nicken, desto schlimmer ist es. 

Ihr Lieferant zeigt:

  • Lieferprobleme und nachlassende Qualität 
  • Das Unternehmen gewährt keine Skonti-Abzüge mehr
  • Entlassung der Geschäftsführung
  • Neue Gesellschaftsform
  • Verlagerung des Betriebssitzes
  • Schließung von Niederlassungen
  • Billig-Angebote und Extrem-Rabatte
  • Neue Bankverbindung
  • Schlechtere Bonitätsauskünfte

Ihr Schuldner zeigt:

  • Plötzlich keine Zahlung binnen Skontofrist
  • Ausnutzung und Überschreitung von Zahlungszielen 
  • Bitte um Gewährung längerer Zahlungsziele
  • Zahlungsverzögerungen nach Scheinreklamationen
  • Neue Aufträge trotz Altschulden
  • Bitte um Ratenzahlung zur Tilgung der Altverbindlichkeiten
  • Neue Bankverbindung
  • Schlechtere Bonitätsauskünfte 
  • Entlassung der Geschäftsführung 
  • Neue Gesellschaftsform
  • Verlagerung des Betriebssitzes 
  • Schließung von Niederlassungen

Zahlungsunfähig: Was tun, wenn's brennt?

Ist ein Schuldner insolvent, stellt sich die Frage, ob offene Rechnungen bezahlt und anstehende Lieferungen erfüllt werden. Zugleich sollte man zuletzt eingegangene Zahlungen hinterfragen, da hier ggf. eine Anfechtung der Zahlung durch den Insolvenzverwalter nach §§ 130 ff. InsO droht. Der erste Schritt sollte jetzt im eigenen Interesse in der Kontaktierung Ihres Rechtsbeistandes bestehen – denn die folgenden Schritte sind für den Gläubiger juristisch relevant. Direkt danach ist das offene Gespräch mit dem Kunden oder Lieferanten angezeigt. Oft lassen sich so die weiteren Schritte zwischen Schuldner und Gläubiger offener und auf Augenhöhe gestalten. Immerhin ist der Schuldner die Quelle aller relevanten Informationen - und das Gericht kommt im Zuge des Verfahrens noch früh genug ins Spiel.

Der Insolvenzantrag

Nach rechtzeitiger Stellung des Insolvenzantrags wird der Geschäftsbetrieb in aller Regel weitergeführt, während das Insolvenzgericht ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet. Hierzu gehört auch die Einsetzung eines vorläufigen Insolvenzverwalters. Damit sollen bis zur Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens weitere negative Folgen für die Gläubiger vermieden und schuldnerisches Vermögen für die Gläubiger gesichert werden. Offene Rechnungen, die durch den Schuldner jetzt noch nicht beglichen sind, werden nicht mehr erfüllt, sondern aus der nach Abschluss des Insolvenzverfahrens verbleibenden Insolvenzmasse gemäß der sich ergebenden Insolvenzquote anteilig beglichen. Vertraglich agieren sollten man mit dem betroffenen Unternehmen als Gläubiger in dieser Phase nur mit sachkundigem Rechtsbeistand, der die zweifellos vorhandenen Risiken zumindest minimiert.

Der Insolvenzverwalter: stark vs. schwach

Während des vorläufigen Insolvenzverfahrens gibt es zwei Arten von Insolvenzverwaltern, die vom Insolvenzgericht eingesetzt werden können: Der sogenannte „schwache Insolvenzverwalter“ ist eher eine Sicherungsmaßnahme des Insolvenzgerichts – die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis bleibt weiterhin beim Schuldner. Der schwache Insolvenzverwalter schließt normalerweise selber keine Rechtsgeschäfte ab. Der „starke Insolvenzverwalter“ hingegen wird nach dem Erlass eines allgemeinen Verfügungsverbots eingesetzt und erhält damit die Verfügungs- und Verwaltungsbefugnis.

Das Insolvenzverfahren

Sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist, verschärfen sich die Bedingungen – sowohl für den Schuldner als auch für den Gläubiger: Nur noch der Insolvenzverwalter ist jetzt befugt, über Vermögenswerte zu verfügen. Forderungen, die vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstanden und nicht befriedigt worden sind, müssen im eröffneten Insolvenzverfahren zur Insolvenztabelle angemeldet werden. Wichtig: Nicht beglichene Forderungen können als nachträgliche Forderungen bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens angemeldet werden.

Sanierungsverfahren – so werden aktuell die Unternehmen saniert

Neben dem klassischen Insolvenzverfahren kennt die Insolvenzordnung gem. §§ 270 ff InsO zwei weitere Möglichkeiten der Sanierung: Das aktuell durch die Hakle GmbH (bekannt für Toilettenpapier) genutzte Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung und das durch den Schuh-Filialisten Ludwig Görtz GmbH genutzte Schutzschirmverfahren. Bei beiden Verfahren bleibt – im Gegensatz zum klassischen Insolvenzverfahren – die Geschäftsführung im Amt. Ihr wird vom Insolvenzgericht ein Sachwalter (ggf. sogar als Sanierungsgeschäftsführer) zur Seite gestellt, welcher das Verfahren überwacht. Zudem wird vom Unternehmen ein Sanierungsberater mit der Vorbereitung des Verfahrens, der Antragstellung und der Erstellung des Insolvenzplanes beauftragt. Vorteil beider Verfahren gegenüber dem klass. Insolvenzverfahren ist zum einen, dass das insolvente Unternehmen die eigene Sanierung selbst vornehmen darf. Es kennt Krisenursachen und den eigenen Markt am besten. Zudem dürfen Masseverbindlichkeiten (zur Fortführung des Geschäftsbetriebes) begründet werden, was das Vertrauen von Gläubigern und Lieferanten stärkt. Im Ergebnis werden bei beiden Verfahren bessere Sanierungschancen und höhere Befriedigungsquoten für Gläubiger erzielt. Zudem sind die Verfahren wesentlich schneller (und im Falle von Schutzschirmverfahren sogar oft geräuschloser, da nicht veröffentlichungspflichtig) abgeschlossen.

Gibt es Alternativen?

In den kommenden Monaten wird es eine Reihe von harten Einschnitten und Sanierungsmaßnahmen in vielen Unternehmen geben. Auch rigoroser Personalabbau wird wohlmöglich zu beobachten sein – natürlich um die Kosten zu reduzieren. Darüber hinaus werden viele Unternehmen versuchen, neue Geldgeber zu finden. Ob dies in Zeiten der Rezession gelingt, wird sich zeigen müssen. Nach Ablauf der Sonderregelung ist allerdings auch das Thema Insolvenzverschleppung mit genauen Rechtsvorschriften wieder auf der Agenda. Da diese in Deutschland strafbar ist und ebenso die Fahrlässigkeit geahndet wird, wird man sich wohl auf eine ganze Reihe von entsprechenden Nachrichten einstellen müssen.

Fazit

Die aktuelle Wirtschaftslage bleibt herausfordernd für den Mittelstand. In allzu vielen Branchen braucht es viel Fingerspitzengefühl und Weitblick, um ein Unternehmen stabil in bessere Zeiten zu führen. Die richtigen Partner sind da sicherlich ein Asset, das nicht zu unterschätzen ist. Denn: Einige Risiken lassen sich mit einem Factoring-Vertrag zumindest abmildern und insbesondere die Themen Forderungsausfall und Anfechtung der schuldnerischen Zahlungseingänge durch den Insolvenzverwalter outsourcen.

Immer auf dem neusten Stand in der Finanzwelt bleiben. Mit dem abcfinance Newsletter

Der abcfinance-Newsletter ist ein Service für alle, die rund um die Themen Finanzierung, Leasing und Factoring auf dem Laufenden bleiben möchten. Sichern Sie sich Ihren Informationsvorsprung.

Kontakt

E-Mail zusenden

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder

*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*

Mit der Eingabe meiner Daten und der Betätigung des Absende-Buttons erkläre ich mein Einverständnis zur Verarbeitung gem. §2 unserer Datenschutzerklärung

Montag - Freitag von 8:30 bis 16:30

Zusätzlich zu Ihren bekannten Ansprechpartnern stehen wir Ihnen bei allen Fragen auch über unsere allgemeine Service-Rufnummer zur Verfügung

Rückruf anfordern

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder

*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*

Mit der Eingabe meiner Daten und der Betätigung des Absende-Buttons erkläre ich mein Einverständnis zur Verarbeitung gem. §2 unserer Datenschutzerklärung

Infomaterial anfordern

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder

*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*

Mit der Eingabe meiner Daten und der Betätigung des Absende-Buttons erkläre ich mein Einverständnis zur Verarbeitung gem. §2 unserer Datenschutzerklärung

Termin vereinbaren

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder

*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*

Mit der Eingabe meiner Daten und der Betätigung des Absende-Buttons erkläre ich mein Einverständnis zur Verarbeitung gem. §2 unserer Datenschutzerklärung

Angebot

Angebot anfordern

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder

*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*

Mit der Eingabe meiner Daten und der Betätigung des Absende-Buttons erkläre ich mein Einverständnis zur Verarbeitung gem. §2 unserer Datenschutzerklärung

Mitgliedschaften