Hochaktuell: Die Geschichte des Factorings

Als effektives Finanzwerkzeug hat Factoring – also der Verkauf einer Forderung – seinen festen Platz in vielen Unternehmen gefunden. Nicht nur in Krisenzeiten lassen sich zum Beispiel mit dem serienmäßigen Ausfallschutz für eine Forderung Risiken auffangen und überdies verlässliche Liquidität generieren. Auch in wirtschaftlich stabilen Zeiten ist die Möglichkeit, bei einer Forderung auch längste Zahlungsziele akzeptieren zu können, ein enormer Wettbewerbsvorteil. Was viele Unternehmer nicht wissen: Trotz des englischen Namens ist der Forderungsverkauf keine Erfindung der Neuzeit. Hier ein kleiner historischer Abriss.

Wer hat’s erfunden?

Nein, es waren nicht die Schweizer – obschon dies bei einem Finanzwerkzeug durchaus naheliegen könnte. Tatsächlich waren es reiche Babylonier, die vor über 4.000 Jahren mit dem Forderungsverkauf den Export von Waren in entlegene Kolonien über einen Factor zu finanzieren lernten. Woher man das weiß? In Zeiten Königs Hammurapis, seines Zeichens sechster König der ersten Dynastie von Babylonien, mutmaßlich erfolgreicher Unternehmer und wahrscheinlich Besitzer der einen oder anderen Forderung, handelte der rechtstreue Bürger stets nach dem Codex Hammurapi – einem der ältesten Gesetzestexte der Menschheit. Hier werden neben dem Forderungsverkauf auch so illustre Themen wie Staats-, Straf, und Eherecht sowie Viehzucht- und Sklavenrecht geregelt. Heute noch zu bestaunen als Keilschrift auf einer schwarzen Stele im Louvre. Und was für die babylonischen Unternehmen gut funktionierte, hat dann auch im antiken Rom treue Anwender gefunden. Schließlich ist der Verkauf von Rechnungen für Unternehmen ganz besonders praktisch, wenn der Kunde sehr weit entfernt ist. Im Übrigen dürfte sich bei der Gelegenheit auch die moderne Begrifflichkeit für diese Finanzierung entwickelt haben: „factura“ ist der lateinische Begriff für „Rechnung“ – und der Factor mithin der Dienstleister des Vertrauens.

Zwischenstopp: Mittelalter

Nachdem Factoring einige Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war, konnten es die Familien Welser und Fugger im Mittelalter erfolgreich wiederbeleben. So wurden beispielsweise durch die Fugger sogenannte Fakturisten (Factor) ernannt, die als Leiter einer Faktorei vor Ort Vertreter eines Geschäftsherrns waren und sich um Logistik, Lagerung und auch die Bezahlung der gelieferten Waren kümmerten. Dieser Factor war dann gerne in Asien, Afrika und später auch Amerika verortet und konnte dank Factoring die Warenlieferung zwischen Europa und den Einheimischen koordinieren. Dies wäre durch die langen Schiffsreisen schlechterdings anders nicht möglich gewesen. Wie seinerzeit die Bonität im Rahmen von Factoring geprüft wurde, steht auf einem anderen Blatt. Die Forderung wurde bedient und die Liquidität floss verlässlich. Ähnlich verfuhr man auch im 16. Jahrhundert in der englischen Textilindustrie, wo der Factor als eine Art Mittelsmann zwischen Hersteller und Debitor fungierte. Erst im Jahre 1771 wurde dann der Begriff „Delkredere“ von schwedischen Ökonom John Hartman Eberhardt als das vom Kommissionär (Factor) zu übernehmende Ausfallrisiko einer Forderung definiert. In den kommenden Jahren etablierte sich sodann die Übernahme dieses Risikos durch den Factor, wofür eine Gebühr erhoben wurde. Ein neues Geschäftsfeld war geboren.

Unerlässlich in der Neuzeit

Als Startpunkt der Geschichte des Factorings in der Neuzeit darf wohl das Ende des Weltkriegs gesehen werden – in Deutschland leicht verspätet in den fünfziger Jahren. Obschon es bereits zur Zeit der Industrialisierung und den damit einhergehenden Boom des Welthandels etablierte Factoring-Dienstleister auf allen Kontinenten gab, wurde erst jetzt das Potenzial der bankenunabhängigen Finanzierung vollends entfaltet. Zudem etablierte sich immer mehr die Übernahme des Debitorenmanagements für Unternehmen als Teil des Dienstleistungsspektrums. Die Gründung des ersten Factoring-Verbands in Deutschland war im Jahre 1974 dann nur ein weiterer Schritt in einer Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält:  Seit 2003 hat sich das Umsatzvolumen der deutschen Factoring-Branche von 35 Millionen Euro auf über 275 Millionen Euro vervielfacht. Auch das Angebot an unterschiedlichen Factoring-Arten hat sich inzwischen an spezielle Bedürfnisse angepasst. Gemein haben sie allerdings den Vorteil, für verlässliche Liquidität aus der eigenen Forderung zu sorgen. Als Full-Service-Factoring Kunde profitiert ein Unternehmen zudem von einer spürbaren Entlastung im Debitorenmanagement, die zusammen mit der Ausfallsicherung der entscheidende Wettbewerbsvorteil einer immer schneller agierenden Weltwirtschaft sein kann. 

Übrigens: Mit über 40 Jahren Erfahrung in der Finanzierung des Mittelstands ist abcfinance genau der richtige Partner für jedes Unternehmen, das mit Factoring verlässliche finanzielle Freiheit aus Forderungen generieren möchte. Mit überzeugenden Lösungen für jede Umsatzgröße und Unternehmensform. Kurzum: Sprechen Sie uns auf Factoring für Ihr Unternehmen an!