wm 2018

Fehlende Teile als Erfolgsprinzip?

Man stelle sich folgende Absurdität vor: Sie bestellen voller Ungeduld eine Charge wichtiger Ersatzteile – und wenn die Lieferung dann ankommt, stellen Sie fest, dass einige Teile fehlen. Oder es wurden Teile geliefert, die Sie schon haben. Voller Enthusiasmus und Freude bestellen Sie daraufhin so viele neue Chargen, bis endlich alle Teile vollständig sind. Zwischendurch tauschen Sie noch mit anderen Unternehmen die Teile, die Sie mittlerweile doppelt haben. Am Ende ist die Begeisterung so groß, dass Ihre besten Geschäftspartner vorbeikommen, um Ihr Werk zu bestaunen. Sie sind stolz und zufrieden.

Was im B2B-Bereich nach einer Farce klingt, funktioniert indes auf dem Consumer-Markt ganz hervorragend: Panini, der Weltmarktführer im Bereich von Verlagserzeugnissen zum Sammeln, hat gerade zur Fußball-WM wieder Hochkonjunktur – und das nicht nur auf Schulhöfen. Auch erwachsene Sammelwütige werden immer wieder in den Kiosken und Zeitschriftenläden weltweit beim eifrigen Erjagen der beliebten Sammelbildchen gesichtet. Die Panini S.p.A. erzielte so im Jahre 2014 mit mehr als 1000 Mitarbeitern einen Umsatz von 751 Millionen Euro. Nicht übel für ein eigentlich antiquiertes Format.

Sammeln und Teilen

Bereits im Prä-Internetzeitalter war das Prinzip der Verknappung eine diabolische Kaufanreiz-Maschine – triggert es doch einen unserer ältesten Triebe an: das Sammeln. Darüber hinaus waren Bilder und Medien von Stars nicht so allgegenwärtig verfügbar wie heute. Kein Wunder, dass ein vollständiges Album dem Auffinden des Bernsteinzimmers gleich kam. Doch woher kommt die Begeisterung in Tagen des Internets? Wahrscheinlich spielt hier der kommunikative Aspekt eine große Rolle. Denn um ein Album zu füllen, ist man darauf angewiesen, mit anderen Sammlern in Kontakt zu treten und zu tauschen. Die gegenseitige Beschäftigung mit der Begierde erhöht den Drang das eigene Werk zu vollenden. Eine nicht ganz neue Geschichte also – aber enorm effektiv.

Ein teures Vergnügen

Wer nicht tauschen will und sich lieber auf sein eigenes Jagdglück verlässt, dem seien folgende Zahlen ans Herz gelegt: Ein Panini-Album mit den WM-Stars hat genau 682 Klebebildchen. Ein Mathe-Professor der Uni Cardiff hat hierzu errechnet, dass man im Schnitt 967 Panini-Tütchen mit 4832 Stickern kaufen müsste. Somit würde das Album im Schnitt 870 Euro kosten. Gemeines Detail: Gerade für die letzten 19 Bilder braucht man so lange wie für die 663 davor. Die Wahrscheinlichkeit war noch nie eine freundliche Göttin.

Die Wahl der Profis

Auch wenn es verlockend klingt, können wir für die Vervollständigung eines Panini Albums zurzeit noch keine Leasing-Lösung anbieten. Für alle anderen nachhaltigen Investitionen sind wir aber nach wie vor die erste Wahl der Profis. Mit dem frei werdenden Kapital können Sie dann aber sicher das eine oder andere Album füllen. Man wird Sie ganz sicher beneiden.