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No exit from Brexit – Keine Lösungen für Großbritannien

Auch wenn die Lage in Großbritannien zu ernst für blanke Häme ist, so darf man die vorläufigen Verwerfungen doch als deutliches Votum für den Zusammenhalt in der EU werten. Insbesondere angesichts der drohenden Unruhe aus Italien ist das keine schlechte Verhandlungsmasse für stabilisierende Kräfte. Immerhin gibt es bisher keine Anzeichen, dass sich der Brexit – wie auch immer er vollzogen werden wird – positiv für Großbritannien auswirken könnte.

Erste Anzeichen gab es bereits zu Jahresbeginn, als klar wurde, dass die britische Konjunktur eingebrochen war. Auch von Januar bis März legte Bruttoinlandsprodukt nur noch um 0,1 Prozent zu. Dies liegt darin begründet, dass viele Unternehmen ihre Investitionen zurückfuhren und die Verbraucherausgaben mit 0,2 Prozent so schwach wuchsen wie seit Ende 2014 nicht mehr. Zusätzlich ist das britische Pfund seit dem Brexit-Votum im Juni 2016 ist deutlich geschwächt, was die Inflation nach oben treibt und die Kaufkraft der Briten schmälert.

Öl auf das Feuer

Wenig hilfreich wirkt da die Tatsache, dass der Guardian nun mit heimlich aufgezeichneten Zitaten von Brexit-Galionsfigur Boris Johnson das Feuer weiter anfacht. So wird dieser mit Aussagen zitiert, dass die Brexit-Verhandlungen einen “Moment der Wahrheit” erreichen würden und es das Risiko gebe, dass es nicht so laufe, wie man es sich wünsche. Als Folge werde die britische Premierministerin Theresa May nun einen noch konfrontativeren Kurs gegen Brüssel fahren. Wirklich bedenklich ist zudem Johnsons Einstellung zu US-Präsident Donald Trump: Laut der Tonaufnahme sei Johnson der Auffassung, dass hinter dessen Verrücktheit Methode stecke. Würde Trump etwas wie den Brexit verantworten, produzierte er zwar “alle möglichen Formen des Zusammenbruchs und des Chaos“ – aber dies sei in Johnsons Augen sogar zielführend und damit „ein sehr, sehr guter Gedanke.“

Kein Szenario absehbar

Tatsächlich ist es zurzeit am wahrscheinlichsten, dass die aktuelle Regierung in London die zentralen Fragen und Herausforderungen weiter aufschieben wird, bis die nächste Regierung im Amt ist. Wie lange die EU bereit ist, dies mitzumachen, wird sich sicherlich an der wirtschaftlichen Entwicklung in der EU festmachen lassen. Sollte die schleppende Entwicklung Einfluss auf das Wirtschaftswachstum nehmen, kann es mit der Geduld in Brüssel schnell vorbei sein.

Investitionen lohnen sich

So lange das Klima des wirtschaftlichen Aufschwungs hierzulande weiter günstig bleibt, sind nachhaltige Investitionen im Mittelstand weiterhin ein wirksames Mittel unserer eigenen Ökonomie den Rücken zu stärken. Währenddessen darf man sich dann bei einer guten Tasse Tee darüber freuen, das wir bisher von marktschreierischen Populisten in der Regierung und kurzatmigen Entscheidungen wie dem Brexit verschont geblieben sind. Möge es so bleiben!

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