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2018 – Das Ende der Disruption?

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Gerade zur Jahreswende wird der geneigte Leser von Prognosen und Vorhersagen überschwemmt, die das kommende Jahr durch einen wertvollen Wissensvorsprung deutlich erfolgreicher machen sollen. Zum besonders beliebten Schlagwort ist hier in den vergangenen Jahren die „Disruption“ avanciert, die wahlweise Aktienmärkte, Technologiesparten oder auch ganze Branchen heimsuchen soll.

Gemeint ist damit eine zerstörerische Tendenz von neuen Ideen und Konzepten – wie seinerzeit der Digitalfotografie, dem digitalen Wandel generell oder jüngst erst der Kryptowährung Bitcoin. Auch in diesem Jahr sind Analysten einig im „disruptiven Potential“ der Blockchain-Technologie und gar der „beschleunigten Disruption“ des Aktienmarkts. Wird 2018 wirklich so gefährlich?

Man mag es dabei dem Zeitgeist zurechnen, dass beim Phänomen Disruption stets der zerstörerische Aspekt im Vordergrund steht und nicht etwa das Potential, das mit neuen Ideen ebenfalls einhergeht. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass der Begriff zu Beginn des neuen Jahrtausends noch gänzlich ungebräuchlich war und erst nach der Wirtschaftskrise richtig an Fahrt aufnahm. Dies lässt sich an der Erwähnung in repräsentativen Printmedien deutlich nachweisen. Geadelt wurde das Prognosewunder dann im Jahre 2015 mit der Wahl zum Wirtschaftswort des Jahres – und beschert uns seitdem immer neue Schreckensszenarien.

Ironischerweise ist es das Unternehmen Kodak, das gleich mehrfach von diesem Phänomen betroffen ist. Nachdem das Traditionsunternehmen zu Beginn des Jahrtausends deutlich zu spät auf das disruptive Potential der Digitalfotografie reagiert hatte, rutschte der Aktienkurs letztlich unter einen Dollar. Aus dem folgenden Insolvenzantrag ging das Unternehmen schließlich als Spezialist für digitalen Druck hervor und überraschte in dieser Woche mit einer spektakulären
Ankündigung: Kodak stellte eine eigene Kryptowährung vor, die es Fotografen erleichtern soll, Bilder zu vermarkten und Autorenrechte abzusichern. Zum Handelsschluss stand die Kodak-Aktie daraufhin bei einem Plus von 120 Prozent und kletterte im nachbörslichen Handel noch weiter – und das Disruptionsopfer wird zum Disruptionsprofiteur. Oder: Das hässliche Entlein mutiert zum spekulativen Schwan.

Man sieht also deutlich, dass die oft beschworene Disruption auch eine zweite Seite hat: Chancen. Denn Zerstörung lauert nur da, wo Veränderung nicht erkannt oder falsch prognostiziert wird. Chancen lauern hingegen überall.