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Abschaffung von kleinen Cent-Münzen – Fluch oder Segen?

Wie in dieser Woche bekannt wurde, plant Italien als erste wirklich große europäische Volkswirtschaft, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen ab 2018 aus dem Verkehr zu ziehen. Viele denken an ein weniger schweres Portemonnaie in der Tasche – andere sehen hierin den Beginn der Abschaffung des Bargeldes. Eine kurze Abwägung…

Ab 2018 sollen in Italien die kleinen Münzen abgeschafft werden. Damit gesellt sich das Land zu anderen Cent-Ablehnern wie den Niederlanden, Belgien und Irland. Auch in Deutschland stören viele die kleinen Taler in der Geldbörse: An der Supermarktkasse ist es einem eher peinlich einen Turm von einem halben Meter herüberzureichen. Bei anderen Gelegenheiten, wie zum Parkscheinautomaten, werden sie erst gar nicht angenommen – allenfalls beim Bäcker kann man sie loswerden. Da erscheint einem eine solche Maßnahme durchaus sinnvoll.

Produktion teurer als ihr Wert

Für eine solche Maßnahme spricht jedenfalls die Tatsache, dass die Herstellung einer Ein-Cent-Münze etwa 1,65 Cent kostet. Da jeder Bundesbürger etwa 175 Cent-Münzen besitzt, käme dort schon eine erhebliche Ersparnis zusammen.

Dass man in Supermärkten inzwischen an der Kasse auch Geld abheben kann, hat auch einen ganz einfachen Grund: Bargeld zu haben ist teuer. Versicherungen, Werttransporte und so weiter kosten Geld. Selbst kleinere Unternehmen, die alles selbst organisieren, zahlen teilweise für Bargeldeinzahlungen bei der Bank Gebühren. Auch hier wäre eine Reduzierung des „Klimpergeldes“ also sinnvoll.

Der „böse“ 500-er

Was zunächst als Erleichterung erscheint, ruft natürlich auch sofort Skeptiker auf den Plan. So befürchten, Italiens Verbraucherschützer versteckte Preiserhöhungen. Bei den dann notwendigen Auf- und Abrundungen würde nach ihrer Einschätzung wohl kaum zu Gunsten des Kunden vorgegangen. Vielen ist das Thema noch von der Euroumstellung vor Augen.

Der besonders in Verruf geratene 500-Euro-Schein hatte die Debatte entfacht: Da er laut Behörden besonders oft für „krumme“ Geschäfte genutzt wird, soll der Schein abgeschafft werden. Kritiker sehen mit dem Abschied von den kleinen Münzen einen zusätzlichen Hinweis auf die schleichende Abschaffung des gesamten Bargeldes und damit die fortschreitende Durchleuchtung der Bürger. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) warnt vor einem solchen Schritt: 80 Prozent der Transaktionen finden in bar statt. Laut einer Umfrage des BVMW lehnen neun von zehn Mittelständlern eine Abschaffung des Bargeldes ab. So wird die Abschaffung der Cent-Münzen vor allem als Vorzeichen einer größeren Entwicklung abgelehnt.

Akzeptanzsteigerung

Eine interessante Haltung ist diese: Die Abschaffung der kleinen Münzen könnte sogar die Akzeptanz der Bargeldes erhöhen: Weniger kleine Gewichte in den Taschen der Bürger, weniger Kosten für Unternehmen für die Bargeldhaltung.

Aktuell ruht das Thema in Deutschland jedenfalls. Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) ließ verkünden: „Seitens des BMF gibt es derzeit keine Überlegungen zur Abschaffung der Kleinmünzen oder zur Einführung nationaler Rundungsregeln.“ So dürfte man die weitere Entwicklung wohl gespannt verfolgen.